…das war ’ne Show…

Ich muss zugeben, ich musste ziemlich schlucken, als ich nach dem dienstäglichen Hallenfußball-Kick mein Handy einschaltete und sah, mit welcher Aufstellung Schalke gedachte, in San Siro anzutreten: Matip in der Innenverteidigung? Papadopoulos als einziger Sechser, davor Baumjohann, Jurado und Farfan? „Da wird Eto’o aber Spaß haben“, meinte mein Mitspieler Clemens ob der offensiven Aufstellung und des jungen Matip im Abwehrzentrum. Zwar musste ich Ralf Rangnick zu Gute halten, dass er keine andere Wahl hatte – was auch mal wieder zeigt, wie kurios dieser Kader komponiert ist: Gefühlte 50 Spieler, aber kaum verletzen sich ein zentraler Mittelfeldspieler und ein Innenverteidiger, hängen wohl und Wehe an zwei 19-Jährigen. Dennoch machte ich innerlich schon einen Haken an das Spiel und hoffte einfach nur, dass es keine Blamage werden würde, damit all der Hohn und Spott, den ich über die Bayern-Fans unter meinen Freunden ergossen hatte, nicht doppelt und dreifach zurückkommen würde.

Dass es anders kam, ist bekannt. Schalke zeigte eine Leistung, die ich dieser Mannschaft nie zugetraut hätte. Manuel Neuer hielt – man muss es schon sagen – gewohnt sensationell, Höwedes und Matip bekamen nur ganz selten Schwindelgefühle von Eto’o verpasst, Papadopoulos räumte rustikal fast alles ab, was auf ihn zukam und davor zeigte Alexander Baumjohann eine überragende Leistung, die schon die Frage aufkommen lässt, warum Magath den nur in der vierten Liga eingesetzt hat. Auch Edu spielte für seine Verhältnisse sensationell, von Farfan und Raúl erwartet man solche Auftritte ja auch schon fast.

Auch taktisch war es eine Meisterleistung von Ralf Rangnick. Ich will nicht sagen, dass man unter Magath nicht gewonnen hätte – was eh alberne Kaffeesatzleserei ist -, aber ich glaube nicht, dass man mit derart viel Offensivgeist und Risikobereitschaft aufgetreten wäre. Das ist erstens einfach die Philosophie von Rangnick, gegen Inter war es aber besonders wichtig: So konnte viel Druck von der eigenen umformierten Hintermannschaft genommen werden und Inters ebenfalls umformierte und ohnehin wacklige Abwehr schön zerlegt werden. Außerdem wurde früh gepresst, was dazu führte, dass die Gastgeber ihre Offensivspieler Eto’o, Milito und Sneijder nur selten in gefährliche Positionen bringen konnten.

Hinzu kam allerdings auch, dass Inter teilweise grottenschlecht verteidigte und nach dem 2:3 das Fußballspielen einfach einstellte. Kein Aufbäumen, kein Kampf, kein bedingungsloses Attackieren. Der Sieg von Schalke war so oder so absolut verdient, auch – und das ist das Verrückte – in dieser Höhe.

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